Danke Mami

Mein kleines, grosses Leben verdanke ich dir.
In frischer Bergluft atmete ich dank dir.
Das Grün der Wiese sah ich dank dir.
Das Pfeifen der Vögel hörte ich dank dir.
Der Duft frischen Brotes roch ich dank dir.
(Zu) Viel zu essen lernte ich mit dir.
Die schönsten Momente lebte ich mit dir.
Mein sicheres Zuhause liebte ich dank dir.
Die allerbesten Geschwister schenktest du mir.
All meine Probleme löste ich mit dir.
All meine Sorgen schluckte ich dank dir.
Allerlei Lektionen lernte ich dank dir.
Grosse und kleine Ziele erreichte ich dank dir.
Solidarität zu schätzen lernte ich mit dir.
Menschen zu helfen lernte ich von dir.
Berufliche Bildung erreichte ich dank dir.
Den richtigen Weg fand ich dank dir.
Meine grosse Liebe fand ich dank dir.

All diese Tränen weine ich wegen dir.
Du fehlst mir sehr.
Ich danke dir.

Deine Dritte

Hallo, Mami. An diesem Wochenende hast du hoffentlich irgendwo in der Schweiz ein schönes Hotel gefunden und hast mit Papi zusammengesessen. Ich hoffe, ihr geniesst diese wertvollen Stunden, ich hoffe, ihr seid ganz füreinander da. Dass ihr euch in die Augen seht, einander anseht und euch spürt, das wünsche ich euch. Dass ihr die Wunder der Welt, die sich manchmal geschickt verstecken, sicherlich jedoch nie vergehen, in euch fühlen, mit euch nach Hause nehmen und lange davon erzählen könnt. Ich wünsche euch ein Lächeln auf den Lippen, Gelassenheit im Herzen und Mut in eurem Handeln, Kraft in den Muskeln und Ruhepausen für eure Rücken. Liebe und Stärke für was euren Seelen nahesteht, Bedacht in euren Worten und Vertrauen in die Melodie der Welt, welche nur allzu oft «allegro» gespielt wird. Das wünsche ich euch.

Mami, ich danke dir. Von Herzen und vom Kopf und von Armen und Beinen und dem kleinen Zeh. Von jedem Fingernagel und jedem Haar, auch denjenigen mit Spliss. Ich danke dir für all die Stunden, deren Summe wohl auch ein grösseres Mathegenie als ich nicht so schnell ausgerechnet hätte, die du mir und meinen Geschwistern gegeben hast. Die du uns immer noch täglich gibst.

Obwohl ich schon neun Jahre nicht mehr am selben Ort wohne wie du, gibt es für mich nur ein Zuhause. Und dies wird immer so bleiben. Auf dem Matug, in unserem Haus, da wo du bist. Wie verloren, kalt und einsam fühlt es sich an, sind wir mal ohne dich zuhause… wir können zwar alle kochen, waschen, einfeuern… wir überleben… doch du bist diejenige, welche das gesamte Familienleben noch immer koordiniert, welche zusammenhält, organisiert, jedem seine Termine vor Augen hält und mit dem vergessenen Snowboard hinterherrast. Ohne dich wäre Chrigel schon gefühlte dreihundertsiebenundvierzigtausendsiebenhundertfünfunddreissigkommafünfvierachtsechssechssechsunendlich Mal mehr zu spät gewesen oder gar nie angekommen, im Fussball, auf dem Bahnhof, bei Freundinnen und geplanten Überraschungen. Ohne dich würde Luggi sich wohl fast täglich nur Teigwaren kochen, wäre deren eines Tages überdrüssig und würde abmagern wie eine alte Kuh. Ohne dich würde Reigi ihren Spickpulli auf Hochzeiten tragen. Ohne dich hätte ich schon viele Male anstatt eines Gemüseauflaufs eine Früchtetorte als Endresultat gehabt, wenn ich mitten im Kochen nicht mehr weiterwusste. Ohne dich wäre Papi so konsterniert über das Fehlen der bereitgelegten Kleider, dass er darüber das Jodeln vergessen würde. Ohne dich wären wir alle herumirrende, blinde Hennen und Güggel, würden das Korn im schönsten Sonnenschein nicht finden und in unseren Hennen- und Güggelherzen wäre eine grosse Leere, eine Stille, eine Unsicherheit. Wir würden spüren, dass da etwas sein sollte. Etwas Grosses, Starkes. Ja, du würdest so sehr fehlen.

Mami, ich liebe dich. Mit all deinen wundervollen Eigenschaften, deinen Rundungen, deinen Reizen und Ecken, mit deinen Kanten und deinen Qualitäten. Ich würde für nichts in der Welt jemals ein anderes Mami wollen. Wofür auch, du bist perfekt.

Und die 32.50 Fr. für den Salat-Mix, die bekommst du noch, Mami. Versprochen.

Mit liebstem Gruss und herzbesten Wünschen auch von deinem Sohnemann und deiner Ältesten

Deine Zweite

Hallo meine Liebe

Wie geht es dir?

Was tust du so?

Mir geht es auch gut.

Dir auch eine gute Zeit, danke.

 

Hey

Geht’s gut?

Was tust du so?

Ja, ich bin auch beschäftigt.

Schönen Abend dir.

Hab dich lieb!

 

Morgen

Mein Herzchen

Wie lebst du so?

Ja, doch, ich auch, danke.

Bis bald

Ciao ❤

 

Hey

Jaja, man lebt.

Du so?

Mir geht’s gut.

Byebye

 

Befriedigt dich solch ein Kontakt wirklich? Interessierst du dich für mich als Menschen? Für mich ganz persönlich? Möchtest du wirklich, echt, wahrhaftig wissen, wie es mir geht? Hast du mich wirklich gerne? Könntest du auf mich zählen, wenn in deinem Leben etwas schiefgeht? Wäre ich da für dich? Und du für mich? Verbindet uns noch etwas ausser der modernen Technik? Hätten wir nur Haustelefone, oder auch diese nicht, stünden wir dann noch in Kontakt? Verspürst du schöne Gefühle, wenn du mir schreibst? Freust du dich, etwas von mir zu hören? Oder hast du nur ein schlechtes Gewissen?

Du könntest mir auch einfach nicht mehr schreiben. Und ich dir nicht mehr. Wir hätten genau so viel voneinander. Oder noch mehr. Zeit für Menschen, welche uns wirklich etwas bedeuten. Zeit für diejenigen, welche ganz tief in unseren Herzen sind. Wir müssen uns nicht an alte Zeiten klammern. Wir hatten es schön. Das war gut. Und es ist gut, wenn wir jetzt loslassen. Es ist gut, wenn wir uns nicht schreiben. Es ist gut, wenn wir nichts voneinander hören. Es ist in Ordnung. Uns verbindet nichts mehr ausser schönen Erinnerungen. Wenn wir uns zufällig sehen, finde ich das schön. Dann ein paar Worte auszutauschen, in echtem Kontakt, berührt und freut mich. Das hier jedoch, in irgendeinem Chat hingeworfene, nichtssagende Worte, ohne echte Gefühle, ohne echtes Interesse und ohne eine Möglichkeit, einander als echte Menschen zu begegnen, das hier verdriesst mich. Es macht mich traurig. Ich frage mich, ob du niemanden hast, der dir nähersteht. Niemanden, den du in die Arme nimmst. Der dich hält und mit dir spricht. Ich wünsche es dir. Ich wünsche dir, dass du aufhörst mir zu schreiben. Und anderen vielleicht. Ich wünsche dir, dass du einmal mehr deine technischen Geräte beiseitelässt und lebst. Ich wünsche dir, dass du mit einem Menschen Arm in Arm, Seele in Seele, spazieren gehst, einschläfst, Gespräche führst, auch mal streitest und dich versöhnst. Ich wünsche dir, dass du das wahre Leben nicht vergisst bei all dem Dahingeschriebenen, bei all dem Gephotoshopten, bei all den Märchen, Lügen und alternativen Fakten.

Ich habe heute eine Velotour gemacht durch meine neue Heimat. Gemeinsam mit einem Menschen, welcher tief in meiner Seele verankert ist, habe ich Wälder, Frühlingswiesen, Blumen genossen. Den Duft der Tannen, kennst du den noch? Den Duft der erwachenden Pflanzenwelt, den Duft des Frühlings, hast du ihn bereits gerochen? Hast du auch die Sonne auf deinem Körper gespürt? Hat sie dich auch so lebendig und golden durchflutet? Ich wünsche es dir. Ich wünsche es dir von Herzen.

Ich habe heute gelebt, mit allen Facetten unseres Daseins gelebt. Ich war traurig und glücklich und vor allem war ich echt. Die Energie der Natur, unseres Ursprungs und unserer einzigen Chance auf eine Zukunft, kann mir keine Technik geben. Diese Energie verleiht mir Leben, Kraft und Sinn. Ich wünsche dir, dass du sie auch wieder mehr verspürst. Sie ist es, was uns als Menschen ausmacht. Die Kraft der Natur ist unser Leben.

 

(Das Beitragsbild stammt von unserem gestrigen Ausflug, der zu einem Bergsee führte. Noch ein bisschen weniger Frühling als heute, jedoch genauso wunderschön.)

Was uns bleibt

Manchmal, dann, wenn der Wind ganz leise weht, hören wir sie. Die anderen. Diejenigen, deren Leben nichts wert sind. Diejenigen, welche unseren Dreck fressen. Diejenigen, welchen unser Gift tagtäglich um die Nase weht, diejenigen, welche sterben, damit wir leben können. Damit wir in all diesem vermeintlichen Reichtum, der doch nur Zeuge einer grossen inneren Armut ist, unsere Leben verbringen können. Ohne uns dessen bewusst zu sein. Nie, ausser dann, wenn der Wind ganz leise weht, und wir sie hören. Die anderen. Und wir wünschen uns, der Wind möge bald wieder lauter wehen.

Denn bleibt er einmal zu lange leise, bleibt uns nur das Kotzen.

Gedanke zur Nacht

„Prüfung der Zulassung von Frauen zum Diakonat…“

Durchaus die richtige Richtung.. mit mir jedoch muss die katholische Kirche nicht eher rechnen, als bis die erste lesbische Päpstin ihr Amt antritt.

Is everything alright?

Everything is alright.. singt doch einer so vor sich hin. Dort aus den Lautsprechern des Radios, der bereits veraltet ist, da nicht DAB+, der inmitten eines Chaos in noch-meinem Zimmer steht, das auf- und ausgeräumt werden will. Dessen Inhalt ich sortieren, verkaufen, loswerden, mitnehmen muss. Nicht nur der des Zimmers, die gesamte Wohnung will verräumt und verteilt und am besten vom Winde verweht werden. Ach, was klage ich.. everything is alright in my life.. singt er, recht hat er. Denn draussen wagt sich der Frühling heran, zartkalt noch, in den letzten Tagen legte sich gar noch einmal Schnee übers feinblühende Land, erinnerte uns an die Macht des Aprils, an die Macht der Natur. Gut so. Denn sie ist und war und wird immer unsere Meisterin sein. Unsere Beschützerin, unsere Mutter, unsere einzige Überlebenschance. Unweigerlich bahnt sie sich ihren Weg in Richtung Sommer, ein Schwarm Mücken trotzt den Temperaturen und huscht just in diesem Moment durch den Rahmen, der noch-mein Fenster um die Welt da draussen zieht. Sie werden sich wohl diese Nacht tief in Welten zwischen Grashalmen und Erdhügeln verkriechen, die mir verborgen bleiben, und sich dort wahrscheinlich wohlfühlen, in Mutters Schoss. Und morgen werden sie der Sonne entgegentanzen. Das sollte ich auch tun. Es ist doch alles gut, in meinem Leben. Ein Aufbruch, ein Umbruch, ein Abbruch. Ein Neustart. Eine Chance. Ein kritisches Lebensereignis? Wohl nicht, beruht doch diese Sache auf eigener freier Entscheidung. Doch wie frei ist sie, die Entscheidung, wo ich leben will? Bin ich Gefangene der Liebe? Wenn ja, könnte dies doch durchaus positiv gewertet werden. Mein Herz entscheidet, bei diesem einen, besonderen Menschen sein zu wollen. Mein Verstand folgt. Noch nie konnte er dem Herzen wiederstehen. Tut manchmal sauweh, ist manchmal unfassbar schön. Ist doch alles gut. Everything‘s alright. Was will ich mehr, als von ganzem Herzen zu leben? Ich weiss, was ich will. Bei ihm sein, ohne nicht mehr hier zu sein. Mein Leben mit diesem bezaubernden Menschen teilen, ohne mein Leben hier aufzugeben. Die Realität ist nicht kompatibel mit meinen Träumen. Diese Erkenntnis hat mir schon manchen schweren Gedanken verursacht. Der Mückenschwarm tanzt immer noch. Synchron, als würden sie ihr Leben lang nichts anderes einstudieren (ob dem wohl so ist?), schwirren tausende Minilebewesen durch mein Blickfeld, bald wird es dunkel, sucht euch Schutz, meine Lieben. Ach, was mache ich mir Sorgen um diese Tierchen. Sie wissen sicher besser als meine Wenigkeit, wie das Leben funktioniert. Ich suche und denke und fühle und strudle und zögere. Dabei ist doch alles gut. Ich denke und handle und entscheide und lache. Manchmal aus Furcht, manchmal aus Freude. Die Mücken werden nicht mit mir ziehen, doch werde ich dem Tanz ihrer Artgenossen auch in meinem neuen Zuhause begegnen. Mit all ihren Tücken und der Schönheit von Mutter Natur. Ich werde dort leben, wie ich hier lebe. Mit Sehnsüchten und Träumen und Phantasien. Ich werde auch dort achtgeben müssen, dass ich darob die Realität nicht vergesse. Dass der Mückenschwarm in seiner faszinierenden Einigkeit nicht an mir vorüberzieht, während ich von Adlern träume. Und wenn ich jedem Tag aufs Neue hingehe, hinsehe, spüre und rieche und erlebe, ja dann kann ich hier wie dort sagen: Everything is alright in my life.